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Elektrische Energie

Elektrizität ist den Menschen zwar schon sehr lange bekannt, denn schon um 600 vor Christus wurden Experimente mit Bernstein und Fellen gemacht. Die wirkliche Nutzung als Energiequelle begann aber erst viel später, nämlich 1882, als die ersten Straßenlaternen in Stuttgart elektrisch betrieben wurden. Es dauerte nochmal fast 50 Jahre, bis ca. 1930 elektrischer Strom Einzug in die ersten gehobenen Haushalte hielt. Noch in den 1970er Jahren gab es in Teilen Deutschlands und vorallem in vielen österreichischen Altstädten Leuchtgas. Das war zwar "normales" Stadtgas, wurde aber für Straßen- und Wohnungsbeleuchtung verwendet. Wann die Menschen in den Industrieländern endgültig vom Strom abhängig wurden, läßt sich nur schätzen - die einen sicherlich früher, die anderen später. Es wird sicherlich irgendwie mit dem Einzug des Fernsehers in die Wohnzimmer zusammengefallen sein, denn dieses Gerät ließ sich nun definitiv nicht mehr ohne Strom ersetzen.

Spätestens mit dem massenhaften Aufkommen von Computern war die Abhängigkeit komplett. Dies geht sogar soweit, daß selbst die Geräte, die auch ohne Strom funktionieren könnten, nicht einmal mehr einen Notbetrieb haben. Fast alle Gas- oder Ölheizungen und mittlerweile diverse Feststoffheizungen lassen ihre Besitzer bei einem Stromausfall das Bibbern lernen. Von den Schäden, die beim Ausfall der Gefriertruhe entstehen, wollen wir gar nicht reden. Trotz eindeutiger Vorfahrtsregeln für den Fall der Fälle, kommt es bei einem simplen Ampelausfall in vielen Großstädten zu einem heillosen Verkehrschaos. Fakt ist, wir sind heute vollständig vom Strom abhängig.

Die meisten sog. Energieversorger lassen sich diese Abhängigkeit auch fürstlich entlohnen. Und damit man mit Strom nicht immer gleich Kohle- oder Kernkraftwerke in Verbindung bringt, gibt es ja auch diverse Anbieter mit Tarifen für "sauberen" Stron. Extra dafür wurde auch das schöne Märchen vom Stromsee geschaffen, was nur leider den Namen Märchen gar nicht verdient, denn aus Märchen können wir etwas lernen, der Stromsee ist lediglich eine hübsch verpackte Blendgranate für naive Stromkunden.

Der Stromsee
"Der Strom aus Windkraftanlagen, Solaranlagen, Wasser-, Kohle- und Kernkraftwerken und allen anderen Anlagen zur Stromerzeugung fließt in einen See, der mit einem richtigen See vergleichbar ist, und alle Verbraucher bedienen sich dort und holen sich den benötigten Strom."
So oder leicht abgewandelt tönt es von den Energieversorgungskonzernen - doch halt, der Vergleich hinkt nicht nur, er ist schlichtweg falsch. Vergleichen wir es einmal mit einem richtigen See, egal wie groß er ist, Hauptsache er hat mindestens einen Zu- und Abfluß.

1. Ein See speichert und puffert. Selbst wenn man alle Zuflüsse eines Sees absperrt, wird es (je nach Größe des Sees) bis zu mehreren Tagen dauern, bis kein Wasser mehr aus dem See heraus läuft. Wenn in den Stromsee nichts mehr hinein läuft, ist es in derselben Sekunde bei allen Verbrauchern dunkel.
2. Lastschwankungen - In einem richtigen See würde ein verstärkter oder abgeschwächter Zufluß erst nach einer gewissen Zeit (auch hier von der Größe des Sees abhängig) einen Einfluß auf den oder die Ausflüsse haben. Im Stromsee hingegen, muß alles, was hineinkommt in der selben Sekunde herausfließen. Der Stromsee fängt selbst keine Lastschwankungen ab, denn er besitzt ja keine Speichermöglichkeit.
3. Alles, was irgendwo hineinfließt, fließt irgendwo wieder heraus - hier gleichen sich die beiden, aber genau in diesem Punkt möchten das die Verfasser dieser Geschichte gar nicht. Wann immer ein "Öko"-Kunde Strom verbraucht, müßte er ja eigentlich auch Öko-Strom bekommen - kriegt er aber nicht, denn der ist ja nicht immer in ausreichender Menge verfügbar und speichern kann man ja nicht (s.o.). Noch schlimmer wird es aber sicher die Möchtegern-Ökos wurmen, daß der "Hauptsache billig Typ" mit teurem Öko-Strom versorgt wird, wenn er nur zur richtigen Zeit seine Geräte startet.
Wie Ihr seht, hat dieses Bespiel so viele Haken, daß man es mit gutem Gewissen als Lügengeschichte einstufen kann.

Was kann ich tun
Jeder, der sich aus dieser Abhängigkeit befreien möchte, muß sich erst einmal eingestehen, daß er abhängig ist. Das kann man sehr einfach ausprobieren, denn es gibt fast überall einen Hauptschalter im Verteilerkasten. Einfach ausschalten und warten, was so alles passiert - kleiner Tip: Erst mal die verderblichen Lebensmittel retten oder die maximale Pufferzeit der Tiefkühltruhe kennen.
Streichhölzer und Kerzen gefunden? Super!
Erbauliche Unterhaltung mit Partner oder Mitbewohner entstanden? Noch besser!
Na, geschummelt und den Test im Sommer durchgeführt oder gibt es noch einen Kamin oder Ofen in der Wohnung? Glück gehabt, sonst wäre es jetzt kalt.
Dieser kleine Test kann schnell sehr ernüchternd werden, aber ein Problem, welches man als solches erkannt hat, läßt sich lösen. Ärmel aufkrempeln und loslegen, denn ignorieren ändert nichts, sondern macht die Sache nur noch schlimmer.
Noch vor 40 Jahren waren Stromausfälle von mehreren Stunden auf dem Land nach einem Gewitter völlig normal und meistens bei Kerzenschein sogar richtig gemütlich. Wen das auch heute noch nicht aus der Ruhe bringen kann, ist auf dem richtigen Wege.

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